Eine Führung über Erich Kästner in Mayrhofen anzubieten, ist zugegebenermaßen ein höchst spannendes Unternehmen. Schließlich verbindet man den berühmten Schriftsteller nicht unbedingt auf den ersten Blick mit dem Zillertal. Aber genau darin liegt für mich der Reiz.
Denn Erich Kästner kam nicht als Gast nach Mayrhofen. Er war auf der Flucht.
Im Frühling 1945 wurde die Situation für ihn in Berlin immer gefährlicher. Seine Wohnung war bereits bei einem Bombenangriff zerstört worden und als regimekritischer Schriftsteller stand er unter besonderer Beobachtung. Gemeinsam mit einem Ufa-Filmteam gelang ihm schließlich die Flucht aus Berlin – offiziell, um in Tirol einen Film zu drehen. Einen Film, den es so eigentlich gar nicht gab. Die Filmrollen waren leer. Der Vorwand war jedoch gut genug, um Kästner und seine Begleiter aus dem umkämpften Berlin herauszubringen.
So kam Erich Kästner in Mayrhofen. Und hier blieb er vier Monate lang. Er wohnte in der Pension Steiner, schrieb, beobachtete und hielt in seinem 1961 veröffentlichten Tagebuch „Notabene 45“ fest, was er in diesen letzten Kriegswochen und den ersten Wochen des Friedens erlebte. Von März bis Mitte Juni 1945 wurde Mayrhofen zu einem ganz besonderen Kapitel in seinem Leben.
Ich liebe Herausforderungen und so war für mich klar: Ich möchte mich auf die Spuren von Erich Kästner in Mayrhofen begeben. Eine spannende Führung mit Geschichten und überraschenden Details sowie kleinen Entdeckungen am Wegesrand erwarten Sie.
Entdecken Sie mit mir die Geschichte eines Schriftstellers, der hier das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte. Einer Zeit, in der draußen eine Welt zusammenbrach und Kästner gleichzeitig schrieb, beobachtete und mit seinem ganz eigenen, scharfen Blick festhielt, was um ihn herum geschah. Denn manchmal liegen die interessantesten Geschichten nicht zwischen zwei Buchdeckeln, sondern direkt vor unserer Nase.
